Schräger Scheiß mit geiler Mucke: Pown.it war mein TikTok

Von TikTok dürften wohl die meisten von euch schon mal gehört haben. Das Videoportal mit kurzen Horizontal-Happen fürs Handy hat einen Fokus auf Musik gelegt und zeigt, wie auch YouTube und andere Seiten zuvor, wie viel kreatives Potential die Menschen da draußen haben. So lustig und toll manche dieser Kurzvideos auch sind, kann ich für TikTok nicht dieselbe Begeisterung aufbringen, die ich jahrelang für pown.it hatte. In den Nullerjahren dieses Jahrhunderts, bevor YouTube sich durchsetzte, saßen Flashvideos an der Spitze der Internetunterhaltung. Ab 2008 war pown.it eine beliebte Anlaufstelle für immer mehr dieser Fun-Snacks.

Loituma-Girl (a.k.a Leekspin) ist ein alter Meme-Klassiker – Wer kennt sie noch? Gab es zwar schon vor pown.it, war auf der Seite aber sehr beliebt und mit diversen Variationen vertreten. Auch hier ein Beispiel mit „Twist“.
Hier zur Abwechslung ein sehr langes Video.

Die mittlerweile stillgelegte Seite lässt sich gut mit TikTok vergleichen. Die Videos auf pown.it waren ebenso ein Internettrend und boten auch kurze Sequenzen in Endlos-Loops mit eingängiger Musik an. Mit dem Unterschied, dass die Sequenzen noch kürzer – meist nur extrem kurz – waren, und im mittlerweile ebenso zu Grabe getragenen Flash-Format daherkamen. Mir persönlich gefiel die Musik auf üown.it besser als jene, die auf TikTok verwendet wird. Aber überzeugt euch selbst: Dieser Artikel ist vollgekleistert mit einigen meiner persönlichen Highlights der sogenannten Flash Loops. Viele der Videos stammten von der berüchtigten Seite 4chan.org, weshalb sie sehr oft auf Animes basierten.

Dieses Video sollte meiner Meinung nach als Endlosschleife (wie eben damals) in einer Dauerausstellung eines Museums für digitale Kultur gezeigt werden:

Hypnotisch.

Klar: Solche Videos waren die Ausnahme, das meiste auf der Seite war – wie überall – Schrott. Kindisch veranlagt muss man wahrscheinlich auch sein, damit einem das gefällt. 2008 ging pown.it an den Start und wurde 2019 offline genommen. Wenn man heute auf die Seite geht, sieht man statt lustigen Flash Loops eine melancholische Nachricht des ehemaligen Betreibers: „Goodnight, sweet prince. The internet isn’t what it used to be and one can’t just keep up an abandoned site indefinitely.“ Also waren wohl sinkende Popularität und Userzahlen der Grund. Heute rult TikTok. So hat die Startseite (hier mit Zufallsvideo Nr. 1398) früher ausgesehen:

Das Internet Archive ist ein großartiges und wichtiges gemeinnütziges Projekt. Die digitale Bibliothek hat sich die Langzeitarchivierung von Webseiten, Bildern, Videos, Audiodateien, Software, etc. zur Aufgabe gemacht. Mit großer Freunde fand ich heraus, dass das Internet Archive auch die meisten der 5382 Videos von pown.it gerettet hatte. Zum Glück gibt es immer ein paar wenige Leute, die verstehen dass solche Kulturartefakte es wert sind, archiviert zu werden. Nicht nur weil sie lustig sind, oder aus Nostalgiegründen, sondern auch weil sie zeigen, wie wir miteinander kommunizieren und uns unterhalten. Ich war so dankbar darüber, dass ich dem Internet Archive gleich etwas Geld spendete. Immerhin habe ich dank dieser Seite auch alle Ausgaben der Filmzeitschrift Cinefantastique von 1970-2002 in digitaler Form!

Nachdem ich also einen Tag lang die gesamte pown.it-Bibliothek aus dem Internet Archive heruntergeladen habe, musste ich mir im Web noch drei verschiedene Flash-Videoplayer besorgen. Denn das Flash-Format ist offenbar komplex und oft ist die Wiedergabe bei einem der Player fehlerhaft oder funktioniert überhaupt nicht. Dafür schafft es dann immer zumindest einer der Dreien. Wenig überraschend unterstützt weder mein Schnittprogramm noch YouTube das alte SWF-Format dieser Flash-Videos. Konvertieren war auch nicht drin. Also lies ich sie in den dafür vorgesehenen Playern ablaufen und durch Video-Capturing vom Desktop nahm ich sie auf. Dann habe ich sie zusammengeschnitten, einen eigenen YouTube-Kanal erstellt und hochgeladen (Es waren bereits ein paar pown.it-Videos auf der Plattform, aber viel zu wenige).

Zwei sehr ähnlich aufgebaute Seiten für Flash-Loops und die einzigen, die es mit der Popularität von pown.it aufnehmen konnten, sind übrigens ZOMG ZUFALL und die Dagobah Flash Gallery. Diese zwei kannte ich bis vor Kurzem allerdings gar nicht, und fand sie erst bei meiner Recherche. Manche von euch schütteln beim Betrachten dieser Kurzvideos wahrscheinlich den Kopf. Ich erinnere mich, dass ich früher als Student mit pown.it auf Unverständnis gestoßen bin. Zwischen Begeisterung und völligem Unverständnis ist bei den Flash Loops wohl nicht viel Platz. Mich erfüllt es jedenfalls mit viel Freude, dass ich diese knapp 5200 Flashvideos von pown.it – Von Müll über „kannte ich noch nicht“ bis hin zu Favoriten – auf zwei Festplatten abgespeichert und so für den Rest meines Lebens gesichert habe. Der Prinz ist tot, lang lebe der Prinz!

P.S.: Für jene, die auf den Geschmack gekommen sind, hier noch ein paar Videos (Ich bin noch lange nicht durch die Sammlung durch und werde den YouTube-Kanal in Zukunft weiter befüllen):

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