Jackie Chan Mega-Marathon XX

Winners & Sinners

Deutscher Titel: Winners & Sinners
Originaltitel: Qi mou miao ji: Wu fu xing / Kei Mau Miu Gai Ng Fok Sing
Englischer Titel: Winners & Sinners
Alternativtitel: 5 Lucky Stars, Winners and Sinners (dt.)
Erstveröffentlichung: 1983
Deutsche Erstveröffentlichung: 1987 (VHS-Video)
Laufzeit: 108 Min.
Empfohlene Heimversion: „The Lucky Stars: 3-Film Collection“ vom britischen Anbieter Eureka versammelt die ersten drei Filme der Reihe auf drei exzellenten Blu-rays, für die eine 4K-Restauration unternommen wurde.

Fünf trickreiche Kleinganoven haben kein Glück und werden auf unterschiedlichste Arten von der Polizei geschnappt. Prompt tun sich die Fremden im Knast zusammen und werden Freunde. Zufällig werden alle fünf gleichzeitig wieder entlassen. Sie gründen kurzerhand die „Five Stars Cleaning Company“ und machen von nun an die Putztruppe.

Rookie ist – entgegen seinem Namen – der ruhige, besonnene Älteste der fünf Sterne. Curly heißt ein aufgedrehter Revoluzzer, der zum Geschäftsmann umgesattelt hat und die Firma leitet. Seine neuen Freunde dürfen bei ihm und seiner Schwester einziehen. Vaseline ist ein Schönling im Anzug und quasi der Faceman dieses A-Teams. Teapot (Sammo Hung, der Regisseur des Films) wird aufgrund seiner fülligen Erscheinung so genannt. Er ist der jüngste der Truppe und muss am meisten einstecken. Exhaust Pipe (Richard Ng) ist technisch begabt und schaut mit seinem Schnauzer meist dumm aus der Wäsche. Er ist ein Sonderling unter Sonderlingen.

Richard Ng und Sammo Hung

Zu guter Letzt gibt es noch Polizist 7086 (Jackie), einen glücklosen, jungen Cop, der nach oben will. Teapot und die Putztruppe treffen ab und zu auf ihn. Ebenso durch Zufall geraten die Five Stars in den Besitz eines Koffers, hinter dem zwei Triaden her sind. Darin befindet sich eine für Geldfälscher äußerst wichtige, hochmoderne Druckplatte. Im Kreuzfeuer der Triaden müssen die Five Stars kämpfen, um nicht unter die Räder zu kommen. Zum Glück entpuppt sich Teapot als Kampfexperte und Polizist 7086 hilft auch ein wenig.

Diese Grundhandlung ist jedoch nebensächlich und dient nur als das dünne Gerüst, auf das alle mögliche reizvolle Comedy und Action gehängt wird. Zunächst möchte ich festhalten, wie erfrischend das moderne Setting ist. Winners & Sinners war der erste Film mit Jackie Chan, der in der Jetztzeit spielte. Die vorigen Kung-Fu-Streifen spielten fast alle in längst vergangenen Zeiten der Mandschu-Dynastie. Autos, Bierdosen, Smokings und Armbanduhren zu sehen, ist eine willkommene Abwechslung. So wie Clint Eastwood ein Jahrzehnt zuvor den Wilden Westen verlassen hat, ist auch Jackie in den 1980ern in die Großstadt umgezogen.

Jackie hat in seiner Nebenrolle allerdings nur ein paar Szenen, liefert aber wieder gute Action ab. Die Rollerskate-Skills, die er sich für The Big Brawl angeeignet hatte, konnte er hier – um einiges gewinnbringender – zur Schau stellen. Im finalen Actionshowdown in der Villa und der Lagerhalle ist er nicht dabei. Ob ihr es glaubt oder nicht: Alle Beteiligten vor der Kamera machen ihre Sache so gut, dass man Jackie gar nicht vermisst! Winners & Sinners ist im Grunde eine Buddy-Komödie mit fünf Buddies. Sie zanken sich wie Brüder und buhlen um die Gunst von Curlys hübscher Schwester. Der Film hat ein schnelles Tempo, einen extrem lockeren Stil und massenhaft Situationskomik. Wie etwa eine Sequenz, in der die anderen vier Freunde Exhaust Pipe in dem Glauben lassen, er habe es geschafft, sich unsichtbar zu machen. Mit diesen und anderen Szenen schafft es der Film sogar, mit zeitgenössischen amerikanischen Komödien mehr als nur mithalten. „Exhaust Pipe“ Richard Ng wurde 1984 für diesen Film bei den Hong Kong Film Awards als bester Schauspieler nominiert.

„Exhaust Pipe“ Richard Ng beim Pusten

Was die amerikanischen Filmschaffenden damals jedoch besser konnten als die Asiaten, ist Geschichten mit einer guten Dramaturgie erzählen. Bei Winners & Sinners hat man weder den Anspruch, eine größere Geschichte zu erzählen, noch irgendeine Eile, das „Gerüst“, also die Grundgeschichte, weiterzubringen. Es ist mehr eine Aneinanderreihung von lustigen Szenen und Sketches, die nur wenig aufeinander aufbauen und irgendwann enden. Das mag negativ klingen, aber ich würde keinen Millimeter an dem Film ändern. Der Humor ist sehr sympathisch und funktioniert für mich immer. Es ist kein Funken Zynismus oder Böswilligkeit zu erkennen. Gleichzeitig ist es aber auch kein banaler, verwässerter Kinderfilm, sondern hat einen guten, einfachen, harmlosen Erwachsenenhumor, der nie billig oder derb ist. Der ganze Film steckt voller 1980er-Lebensfreude.

Winners & Sinners war 1983 der erste und beste Eintrag in der in Hongkong sehr beliebten „Lucky Stars“-Filmreihe. Es folgten: My Lucky Stars (1985, dt.: Tokyo Powerman, siehe J.C. Marathon Nr. 23), Twinkle Twinkle Lucky Stars (ebenso 1985, dt.: Powerman 2, siehe J.C. Marathon Nr. 25), Lucky Stars Go Places (1986), The Return of the Lucky Stars (1988), Ghost Punting (1991) und How to Meet the Lucky Stars (1996). Jackie spielte in den ersten drei Filmen mit. Die Lucky Stars sind so etwas wie die Marx Brothers von Hongkong. Das sollten die ganzen westlichen Filmkritiker und Filmhistoriker, die das Loblied auf die Marx Brothers singen, endlich mal kapieren. Die mangelnde Anerkennung liegt neben dem allgemeinen Unwissen sicher auch daran, dass die Filme im Westen weniger verbreitet waren und zudem durch schlechte Synchronisationsfassungen verhunzt wurden. Sehr oft steigt hier die deutsche Synchro sogar deutlich besser aus als die englische.

Der will auch noch pusten!

Die Marx Brothers, so lustig sie auch waren, haben jedoch niemals solch formidable Action und halsbrecherische Stunts kreiert, wie Sammo Hung und Co. Die „Lucky Stars“-Filme sind primär Komödien, haben aber großartige Actionszenen und unglaubliche Stunts, bei denen sich einige Menschen richtig weh taten. Man kennt dem Film auch an, dass von Golden Harvest ein ordentliches Budget zur Verfügung gestellt wurde. Er ist technisch einwandfrei, hat ein Heer an Statisten, gute Außenaufnahmen und ansprechende Sets. Die bunten Bilder werden mit netter, heiterer Musik untermalt. Fast aus dem Nichts krachen in einer Szene dutzende Autos in einer Massenkarambolage ineinander und am Ende schreitet ein ganzes Heer von Polizisten ein. Bei diesen zwei Szenen hat man sich offensichtlich vom Klassiker The Blues Brothers inspirieren lassen.

Sammo Hung, der für viele der besten Hongkong-Filme dieser Ära vor und hinter der Kamera stand, ist dem westlichen Publikum wohl leider am meisten durch die Fernsehserie Martial Law bekannt, dem bekanntesten von Sammos wenigen Ausflügen nach Hollywood. Man würde es nicht vermuten, aber der Dicke bewegt sich wie ein junger Gott. Das liegt daran, dass er gemeinsam mit Jackie in einer Pekingoper-Schule ein knallhartes körperliches Training erfahren hatte. Die zwei sollten immer wieder mal gemeinsam auftreten, so auch im nächsten Marathon-Film Project A.

Winners & Sinners ist also kein richtiger Jackie-Film, auch wenn er freilich so vermarktet wird. Viel mehr ist es ein Vehikel für Sammo Hung und eine Spielwiese für seine Comedy-Co-Stars. In diesem megasympathischen Film steckt sehr, sehr viel Herzblut. Und eben auch echtes Blut, das die armen Stuntleute lassen mussten. Die kreative Energie, das komödiantische Talent aller Beteiligten, die ständigen Gags, die schnellen und überraschend harten Kämpfe und natürlich die Stunts, für die sich eine Produktionsfirma heutzutage vor Gericht verteidigen müsste: Das alles macht Winners & Sinners zu einem der außergewöhnlichsten und auch besten Filme in diesem Marathon.

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