Jackie Chan Mega-Marathon XXIX

Project A II

Deutscher Titel: Projekt B
Originaltitel: ‚A‘ gai wak 2
Englischer Titel: Project A II
Alternativtitel: Project A Part II,
Projekt B – Jackie Chans gnadenloser Kampf (dt. TV-Titel)
Erstveröffentlichung: 1987
Deutsche Erstveröffentlichung: 1988
Laufzeit: 106 Min.
Empfohlene Heimversion: UK-Blu-ray von Eureka. 2K-restauriertes Bild und ein sehr gutes Interview mit dem britischen Filmjournalisten und -historiker
Tony Rayns.

Teil 2 schließt direkt an den Vorgänger an. Wir befinden uns also erneut in der britischen Kolonie Hongkong um das Jahr 1900. Dragon Ma (Jackie) wird befördert, wechselt vom See aufs Land und ist nun für einen ganzen Bezirk verantwortlich. Als neuer Leiter soll er mit der Korruption aufräumen, die sein Vorgänger Chun dort hinterlassen hat. Chuns Polizisten kassierten Bestechungsgelder, profitierten von Opiumhöhlen und Prostitution und kooperierten mit dem örtlichen Gangsterboss, der „Tiger von Sai Wan“ genannt wird. Doch nun weht ein neuer Wind: Dragon erinnert seine neuen Untergebenen, auf welcher Seite des Gesetzes sie stehen. Danach geht es direkt in die Höhle des Tigers, wo diesem in einem spektakulären Kampf die Zähne gezogen werden.

Chun, der immer noch zwei anderen Bezirken vorsteht, fürchtet Profitentgang und will Dragon Ma kaltstellen. Doch so einfach bleibt es nicht. Chun tut sich für seine Zwecke mit Handlangern der Mandschu-Regierung zusammen, die ihrerseits hinter Revolutionären her sind. Diese wollen Dragon auf ihrer Seite sehen, aber der stimmt mit ihrer Philosophie nicht überein, wonach man Schlechtes tun darf, wenn man damit einer „großen, guten Sache“ dient. Und dann gibt es noch eine Gruppe von Piraten, die nach den Ereignissen in Teil 1 Rache geschworen haben. Dragon Ma hat also allerhand Gegner und alle Hände voll zu tun.

Im Mittelteil wird der Film zu einer Art Theaterposse, als die vielen verschiedenen Parteien sich alle in einem Apartment voreinander verstecken und einander austricksen wollen. Es ist lobenswert, dass Jackie diesmal einen storytechnisch elaborierteren Film als Teil 1 abliefern wollte, doch leider geht damit auch ein wenig von der Wucht verloren, den der Vorgänger hatte. Ansonst ist Project A II jedoch wuchtig genug: Es gibt sogar mehr Action als im Vorgänger und die Umgebung wird noch mehr in die Kämpfe und Stunts integriert, welche erneut mit großartigem Einfallsreichtum inszeniert sind. In einer der tollen Actionsequenzen muss Jackie vor mit axtwerfenden Piraten fliehen, während er mit Handschellen an jemand anderen gekettet ist. Teil 2 schaut dank eines hervorragenden Setdesigners deutlich teurer aus als der erste Teil. Wir dürfen uns an großen, lebendigen, üppig ausgestatteten Sets ergötzen, mit vielen Komparsen in zeitgenössischen Kostümen und Uniformen.

Die Mandschu werden im Film von den revolutionären Nationalisten, die sich Patrioten nennen, als korrupte Kolonialmacht angesehen. Dieser Konflikt ist historisch korrekt und die Mandschu-Dynastie endete wenig später im Jahr 1911. Project A wurde 1983 veröffentlicht und war ein sehr apolitischer Film. Project A II erschien vier Jahre später und ist im Vergleich dazu politisch ziemlich aufgeladen, was an den historischen Hintergründen liegen könnte. Ende 1984 unterzeichneten Großbritannien und China eine gemeinsame Erklärung, welche vorsah, dass Hongkong am 1. Juli 1997 zu einer Sonderverwaltungszone Chinas werden würde.

Viele hatten Angst vor einer Machtübernahme Chinas und es kam zu zwei Auswanderungswellen. Project A II erschien also zu einer politisch sehr angespannten Zeit. Weder im Film noch im realen Leben stellte sich Jackie damals auf eine Seite des Konflikts. Seit den 1990ern und bis heute fällt er jedoch mit pro-chinesischen Statements auf und stellte sich immer wieder auf die Seite der autoritären, repressiven kommunistischen Regierung. Damit steht Jackie voll und ganz in der langen Tradition von Schauspielern, die dumme politische Meinungen von sich geben. Viele Hongkonger wollen deswegen seitdem nichts mehr von ihm wissen.

Aber damit genug real-word-bullshit. Was viel wichtiger ist: Project A II fetzt, und das nicht zu wenig. Er wird von Fans weniger geschätzt als der Vorgänger. Es gibt diesmal keinen großen Showstopper-Stunt wie in Teil 1 oder in Police Story. Nach seiner Nahtoderfahrung mit Armour of God war Jackie diesmal etwas vorsichtiger. Dafür gibt es am Ende einen tollen Stunt-Gag, bei dem Jackie den Stummfilmstar Buster Keaton in Steamboat Bill Jr. nachahmt und eine Hauswand auf sich fallen lässt. Jackie war bei der Produktion nach wie vor am Höhepunkt seiner künstlerischen Kontrolle und Kreativität. Ja, mit dem ausgezeichneten Vorgänger Project A kann die Fortsetzung nicht ganz mithalten, aber alles, was Jackie und seine Filme großartig und einzigartig macht, ist in diesem Film im Übermaß vorhanden.

Bewertung:

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