Jackie Chan Mega-Marathon XXXII

Mr Canton and Lady Rose

Deutscher Titel: Canton Godfather
Originaltitel: Qi ji / Kei zik
Englischer Titel: Mr Canton and Lady Rose
Alternativtitel: The Canton Godfather, Miracles: The Canton Godfather, Miracles: Der beste Boss der Unterwelt
Erstveröffentlichung: 1989
Deutsche Erstveröffentlichung: 1990 (VHS-Video)
Laufzeit: 127 Min.
Empfohlene Heimversion: Die UK-Blu-ray von 88 Films ist erneut die beste Wahl. Sie trägt den Titel „Miracles“.

Das nette Landei Kwok (Jackie) will in den 1930ern sein Glück in der lebhaften Metropole Hongkong versuchen. Schnell wird er um sein Geld betrogen und steht vor dem Nichts. „Lady Rose“ ist eine nette alte Dame, die so genannt wird, weil sie tagein, tagaus rote Rosen verkauft, die angeblich Glück bringen sollen. Mit seinem allerletzten Geld kauft Kwok Lady Rose einen ihrer Glücksbringer ab, und sein Leben ändert sich tatsächlich schlagartig.

Als Mitglieder eines Gangsterclans mit Tommy Guns auf einen verfeindeten Clan schießen, ist Kwok zufällig in der Nähe und hilft den Attackierten. Er trägt den tödlich verletzten Boss weg, dessen letzte Worte missverstanden werden, weswegen Kwok die Rolle als oberster Clanboss zukommt. Die Gangster sind verblüfft, am meisten Lee, der als rechte Hand des verstorbenen Bosses als sein sicherer Nachfolger galt. Kwok stäubt sich zunächst gegen seine neue Rolle, aber da der gegnerische Clan hinter ihm her ist, übernimmt er widerwillig die gefährliche Aufgabe als neuer Boss.

Kwok muss sich mit dem verbitterten Lee und dessen Gefolgsleuten auseinandersetzen, sowie mit einem lächerlichen Polizeichef. Doch egal, welche Aufgabe ihn erwartet, kauft er Lady Rose jeden Tag eine ihrer glückbringenden Rosen ab. Als diese erfährt, dass ihre in Shanghai studierende Tochter Belle sie besuchen will, fällt sie vor Schreck in Ohnmacht. Lady Rose unterstützte ihre geliebte Tochter jahrelang aus der Ferne und gab vor, sie sei eine reiche Dame der High Society. Belle soll bald einen Mann aus guten Hause heiraten, der seine Schwiegermutter zusammen mit seiner Familie in Hongkong besuchen will. Lady Rose befürchtet, dass ihre ärmlichen Verhältnisse Schande über ihre Tochter bringen werden und sieht die Hochzeit in Gefahr. Kwok fasst den Beschluss, Lady Rose mit einem aufwendigen Schwindel zu helfen. Er quartiert sie in einer Hotelsuite ein und lässt ihr ein Makeover verpassen. Wenn nötig, will er sogar alle seine bildungsfernen Untergebenen in Fracks stecken und sie als Mitglieder der oberen Zehntausend ausgeben.

Klingt zwar unterhaltsam, ist es aber leider nicht besonders. Wenn euch die Geschichte irgendwie bekannt vorkommt, dann seid ihr wahrscheinlich ein Liebhaber alter Hollywood-Klassiker. Miracles ist Jackies Version von Frank Capras Lady for a Day von 1933, dem Capra selbst 1961 mit Pocketful of Miracles (dt.: Die unteren Zehntausend) mit Glenn Ford, Bette Davis, Peter Falk und Hope Lange ein Remake verpasste. Angeblich zeigte Jackies wichtigster Drehbuchautor Edward Tang ihm den Film Pocketful of Miracles. In seiner Autobiographie dagegen behauptet Jackie, er habe sowohl diesen Film als auch Lady for a Day als Kind gesehen, und obwohl er kein Englisch verstand, liebte er die Geschichte. Frank Capra ist nach Quentin Tarantino und Takeshi Kitano mein drittliebster Regisseur aller Zeiten. Bei dieser Kombination aus Capra mit old Hollywood-Flair und Jackie mit seinem Humor, Action und Einfallsreichtum sollte ich eigentlich im siebten Himmel schweben. Pocketful of Miracles gehörte jedoch nie zu meinen Favoriten des amerikanischen Großmeisters und auch Miracles, die zu dem Zeitpunkt aufwendigste und teuerste Jackie-Chan-Produktion, gehört weit nicht zu seinen besten.

Dabei hätte sich Jackie so sehr bemüht. Neun Monate lang wurde an prachtvollen Sets gedreht, die teilweise von einem Taifun zerstört und wieder aufgebaut werden mussten. Mit eigens aus den USA importierten Kameras, Kränen und Kamerawagen wurden beeindruckende Aufnahmen und Kamerafahrten geschaffen. Miracles ist schön anzusehen und ein netter Zeitvertreib, aber er hätte sehr viel mehr sein können. Eigentlich sind alle Zutaten vorhanden, aber der Film ist nicht lustig, charmant, clever oder vereinnahmend genug, um auch nur annähernd an die großen Jackie-Werke oder Hollywood-Vorbilder heranzukommen.

Lady Rose ist stadtbekannt und als der Verlobte ihrer Tochter samt seiner reichen Familie kommt, müssen immer wieder Leute auf verschiedenste Arten entfernt werden, damit die Rosendame nicht wiedererkannt wird und die Geschichte auffliegt. Das könnte lustig sein, ist es aber nie. Daraus, dass der anständige Kwok sich als Außenseiter in der Gangsterwelt und als neuer Oberboss zurechtfinden muss, wird ebenso kaum Comedy gewonnen und auch sonst funktioniert der Humor selten. Nebenhandlungen wie jene mit dem trotteligen Polizeichef sind eher nervig. Die mehr angedeutete als ausgearbeitete Liebesgeschichte zwischen Kwok und seiner neuen Star-Sängerin bringt ebenso nichts Gutes auf den Tisch.

Jackie meinte, dass wenn er keine Kampfszenen eingebaut hätte, er nie das grüne Licht der Produktionsfirma Golden Harvest bekommen hätte. Es klingt so, als hätte er die Actionszenen, für die er weltweit bekannt und beliebt ist, nur widerwillig in sein Herzensprojekt integriert. Miracles hat sehr lange Passagen, die komplett ohne Action auskommen. Was kein Problem wäre, wenn die Szenen auf eine andere Art spannend wären. Die Kampfszene in einer Fabrik, in der Seile hergestellt werden, gehört jedoch zu den besten, die Jackie jemals inszeniert hat. Dort macht das, was er am besten kann: Unglaubliche Action und Stunts inszenieren und seine Umgebung kreativ und beeindruckend darin einbauen. Jackie und sein Team gewannen für Miracles erneut den Preis für die beste Actionregie bei den Hong Kong Films Awards.

Abgesehen von seinen zwei Hollywood-Ausflügen, die beide Bauchlandungen waren, war Miracles der einzige Flop, den der erfolgsverwöhnte Jackie in den 1980ern ablieferte. Der Film spielte 34 Mio. HK-Dollar ein – Eine sehr anständige Summe, die Produktion verschlang jedoch satte 64 Mio. HK-Dollar. Golden Harvest war darüber natürlich alles andere als glücklich und angeblich wurde Armour of God II als nächstes Projekt gewählt, um mit einer Fortsetzung zu einem beliebten Film wieder in die Gewinnzone zu kommen. Jackie schrieb in seiner Autobiographie, dass Miracles von all seinen Filmen sein Favorit ist. „Wenn es um Action geht, kann er sich nicht mit Police Story messen, aber er hat so viel mehr, auf das ich stolz bin, sowohl als Schauspieler und besonders als Regisseur.“ Es tut mir ein wenig weh, dem Film nur drei Sterne zu geben. Sowohl in der Hongkong-Filmgeschichte als auch in der Jackie-Filmographie stellt er einen außergewöhnlichen und trotz all den Negativpunkten sehenswerten Eintrag dar. Mit dem Prestigeprojekt Miracles griff Jackie nach den Sternen, aber leider passierte kein Wunder.

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