Jackie Chan Mega-Marathon XXXIII

Island of Fire

Deutscher Titel: The Prisoner
Originaltitel: Huo shao dao
Englischer Titel: Island of Fire
Alternativtitel: The Burning Island
Erstveröffentlichung: 1990
Deutsche Erstveröffentlichung: 1992 (VHS-Video)
Laufzeit: 96 Min.
Empfohlene Heimversion: Die deutsche VÖ von Koch Media hat den HK-Cut auf Blu-ray und die 23 Minuten längere, originale Taiwan-Fassung auf DVD mit dabei.

Ein Professor, der gleichzeitig ein Polizeikommissar ist, ist einer kriminellen Organisation auf der Spur. Dafür muss er sein Leben lassen und der Killer fliegt sofort nach seinem Auftrag selbst in die Luft. Mit Hilfe eines Fingerabdrucks spuckt der Computer die mysteriöse Information aus, dass der Mörder angeblich schon vor Monaten in einem Gefängnis exekutiert worden war. Polizist Andrew (Tony Leung Ka-fai), der dem Professor seine Karriere verdankt, lässt sich in jenem Gefängnis einsperren, um die Wahrheit ans Licht zu bringen.

Andrew (rechts) geht im Alleingang undercover.

Im Zuchthaus ist der Alltag trostlos und brutal. Die Wärter sind oft krimineller als die Insassen, auf die sie aufpassen sollen, und wenden auch körperliche Bestrafung an. Jeden Samstag gibt es von der Belegschaft geduldete Boxkämpfe. John (Sammo Hung) flüchtet, um den Tag mit seinem kleinen Sohn verbringen zu können, der von seiner Mutter bald auf ein Internat geschickt wird. Nachdem man John wieder schnappt, wird an ihm ein Exempel statuiert.

Steve (Jackie) ist ein Billard-Profi, der die Kugeln einlocht wie ein Gott. Als ihm viel Geld geboten wird, um eine Meisterschaft absichtlich zu verlieren, lehnt er ab. Dafür wird er von Gangstern bedrängt und seiner Model-Freundin Kiki wird in den Rücken gestochen. Um das Geld für Kikis lebensnotwendige Operation zu bekommen, spielt Steve Poker. Er gewinnt, aber der Verlierer Boss Li wirft ihm vor, er sei ein Falschspieler. Steve will mit dem Geld fliehen, wird aber attackiert. Im Zuge dessen wird Li unabsichtlich tödlich verletzt. Dessen Bruder (Andy Lau) schwört Rache und als Steve ins Gefängnis muss, setzt er seine Leute auf ihn an.

Lucas (Jimmy Wang Yu) wird aus der Einzelhaft entlassen und für seine Rückkehr von den Insassen wie ein König gefeiert. Schnell merken Andrew und Steve, dass Lucas der wahre König des Gefängnisses ist. Der diabolisch wirkende Gefängnisleiter lässt allerdings auch an Lucas bald ein Exempel statuieren. Andrew deckt eine Verschwörung auf, an die nicht nur der Leiter beteiligt ist, sondern die auch bis in höchste Regierungskreise reicht.

Lucas (Jimmy Wang Yu, links)

Was genau die Verschwörung ist, soll hier nicht verraten werden. Ich persönlich mag Gefängnisfilme. Das Setting gibt zwar optisch meist wenig her, aber die Spannungen und Konflikte, die an so einem Ort herrschen, sind interessant. Island of Fire ist sehr stark vom US-Klassiker Cool Hand Luke (dt.: Der Unbeugsame) mit Paul Newman inspiriert, von dem viele Szenen fast 1:1 übernommen wurden. Dass Island of Fire überhaupt in Produktion ging, könnte am großen Erfolg von Ringo Lams Prison on Fire liegen, der Ende 1987 in Hongkong herauskam. Darin spielt Tony Leung Ka-fai ebenso mit und Chow Yun-Fat gibt den lässigen Unbeugsamen, also quasi den chinesischen Paul Newman.

Prison on Fire ist ein realistischerer Film als Island of Fire, dennoch gefällt mit zweiterer besser. Es ist nicht nur ein gut gemachtes und heftiges Gefängnisdrama, sondern auch visuell und inhaltlich interessant. Die negativen Kritiken kann ich nicht ganz verstehen. Viele davon gehen wohl auch auf enttäuschte Jackie-Fans zurück. Der Film hat keinen Hauptdarsteller und wechselt immer wieder zwischen den Figuren hin und her. Jackie bekommt in etwa so viele Leinwandminuten wie seine Co-Stars, was manche bemängelt haben. Ich dagegen finde, Island of Fire geht als Ensemblefilm durch.

Zur Abwechslung haben wir hier eine ernste Mischung aus einem düsteren, beklemmenden Drama und einem harten Knastthriller, der auch Folterszenen beinhaltet. Häftlinge sterben auf alle möglichen Arten und manch einem wird das ganze zu deprimierend sein. Es wird auch immer wieder die selbe, traurige Musik eingespielt. Ich befürchte, ich mache euch den Film hier nicht besonders schmackhaft, aber wer mit einem brutalen, sehr blutigen Gefängnisdrama etwas anfangen kann, sollte ihn sich ansehen. Es gibt auch gute, emotionale Szenen und bewegende Momente der Solidarität unter den Häftlingen, sowie ein für das Genre unübliches Actionfinale.

John (Sammo Hung) nimmt eine längere Haftstrafe in Kauf, um Zeit mit seinem Sohn verbringen zu dürfen.

Jackie war angeblich nicht der einzige der vielen Darsteller, der dem Produzenten Jimmy Wang Yu einen Gefallen schuldete (siehe Jackie Chan Marathon Nr. 14). Es wurde sogar behauptet, dass die Stars des Films von einem Triaden-Boss gezwungen wurden, in dem Film mitzuspielen. Jackie mochte den Film nicht und angeblich war er auch nicht glücklich darüber, dass sein Name verwendet wurde, um ihn zu promoten. Er soll sogar versucht haben, die Veröffentlichung des Films zu verhindern, indem er die Vertriebsrechte kaufte. Zum Glück erschien der Film dennoch, zunächst im Produktionsland Taiwan in einer zweistündigen Fassung, und sechzehn Monate später auch in Hongkong mit einer Laufzeit von nur noch 96 Min. In der taiwanesischen Fassung bekommen wir mehr Geschichte und Hintergründe zu den verschiedenen Figuren, während der HK-Cut mehr auf Action getrimmt ist. Bei der deutschen FSK-18-VHS fehlten damals 10 Sekunden vom HK-Cut, bei der FSK-16-VHS ganze 10 Minuten. Übrigens: Das chinesische Titellied „The Last Gunshot“ wurde in Reaktion auf das Tian’anmen-Massaker in Peking geschrieben.

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