Jackie Chan Mega-Marathon XXXIX

Drunken Master II

Deutscher Titel: Drunken Master
Originaltitel: Jui kuen II
Englischer Titel: Drunken Master II
Alternativtitel: The Legend of Drunken Master (USA)
Erstveröffentlichung: 1994
Deutsche Erstveröffentlichung: 1996 (VHS-Video)
Laufzeit: 102 Min.
Empfohlene Heimversion: Dummerweise war und ist ausgerechnet dieses große Meisterwerk in einer anständigen Fassung schwer zu bekommen. 2018 veröffentlichte Warner in drei asiatischen Ländern endlich erstmals eine ungeschnittene Blu-ray-Fassung. Auf ebay zahlt man für die japanische „Ultimate Collector’s Edition“ zwischen 70 und 100 USD (Stand: November 2021). Im Mai 2021 erschien der Film in den USA im Rahmen der Warner Archive Collection auf einer günstigen, ungeschnittenen, sehr guten Blu-ray. Auf dieser ist neben der Originaltonspur und zwei englischen Untertiteloptionen auch die Endszene des Films zu sehen, die in der internationalen Fassung immer fehlte. In dieser wird ein torkelnder, blinder und geistig verkrüppelter Wong Fei-hung gezeigt, als direkte Folge seines übermäßigen Konsums von industriellem Alkohol.

Drunken Master II zeigt Jackie an seinem absoluten Höhepunkt und ist der beste Film, den er jemals gemacht hat. Den Vorgänger Drunken Master (Sie nannten ihn Knochenbrecher) aus dem Jahr 1978 muss man nicht gesehen haben, da in dieser Quasi-Fortsetzung eine eigenständige Geschichte erzählt wird.

China im frühen 20. Jahrhundert: Wong Fei-hung (Jackie) ist ein fröhlicher Draufgänger voller jugendlicher Energie. Wir lernen ihn bei einer Zugfahrt auf dem Weg nach Hause kennen, bei der er seinen Vater (Ti Lung), einen hoch angesehenen, wohlhabenden Arzt, und den Diener der Familie begleitet. Fu Wen-chi, ein ehemals hochrangiger Mandschu-Offizier, schleicht sich in das Gepäckabteil der Oberschicht, stiehlt das kaiserliche Jadesiegel und gibt es in ein Päckchen. Fei-hung hält den alten Mann für einen gewöhnlichen Dieb und kämpft mit ihm. Im Zuge dieses Aufeinandertreffens wird das Päckchen mit dem Siegel mit dem Päckchen mit Ginseng von Fei-hungs Vater vertauscht.

Der britische Konsul schmuggelt mit Hilfe von kriminellen chinesischen Handlangern etliche Kulturschätze aus dem Land. Er ist erbost, denn das Jadesiegel ist das bedeutendste Artefakt der chinesischen Geschichte und sollte das Prachtstück eines Londoner Museums werden. Er beauftragt seine Handlanger, das Siegel wieder zurückzuholen. Als diese Fei-hung auf offener Straße angreifen, überredet ihn seine lustige und gewitzte Stiefmutter (Anita Mui) dazu, sich entgegen dem ausdrücklichen Befehl seines Vaters Alkohol reinzukippen. Wenn Fei-hung nämlich genug Spirituosen intus hat, verwandelt sich der äußerst begabte Kung-Fu-Fachmann in eine schier unbesiegbare Kampfmaschine. Die Stiefmutter schnappt sich Weinflaschen aus einem Restaurant und wirft sie ihm während des Kampfes zu.

Anita Mui spielt Jackies Stiefmutter

Fei-hungs Vater taucht auf und sieht, dass sich sein Sohn in der Öffentlichkeit betrinkt und kämpft, und ist außer sich vor Wut. Als dann auch noch einer seiner Patienten und Kunden schwer krank wird, weil er von Fei-hung statt dem Ginseng eine Bonsaiwurzel erhalten hat, platzt ihm der Kragen und er verstößt seinen Sohn. Am nächsten Tag entschuldigt sich Fei-hung reumütig bei seinem Vater und gelobt, keinen Alkohol mehr anzufassen.

Der Hausherr (Ti Lung) stellt seine Familie zur Rede

Fu Wen-chi findet die Wong-Familie und das Jadesiegel wieder und klärt sie über die Absichten des Konsuls auf. Er sagt, die Engländer seien „Raubtiere“, und wenn man ihnen nicht die Stirn bietet, dann würden sie mehr plündern als nur ein Jadesiegel. Wong Fei-hung stellt sich auf seine Seite und gegen die Schmuggler, und muss sein Versprechen an den Vater brechen, um all seine Gegner besiegen zu können.

1994 setzte sich Jackie unter Mithilfe von Regisseur und Shaw-Brothers-Veteran Lau Kar-leung ein Denkmal für die Ewigkeit. Drunken Master II war sein erster traditioneller Kung-Fu-Film seit Dragon Lord, der zwölf Jahre zuvor erschien. Diese Fortsetzung zu einem von Jackies populärsten Filmen brach überall in Asien Einspielrekorde. Für die einen ist Police Story Jackies krönendes Meisterwerk, für die anderen Drunken Master II. Nur selten wird ein anderer Film von Fans als der beste genannt.

Jeder Versuch, die ausgedehnten Kämpfe angemessen zu beschreiben, ist unweigerlich zum Scheitern verurteilt. Man muss sie einfach selbst gesehen und erlebt haben. Ich habe mir sehr viele Kampfkunstfilme in meinem Leben angeschaut und Drunken Master II ist für mich immer noch der beste von allen. Wie die Kämpfe inszeniert sind und von der Kamera festgehalten werden, die Choreographie, die Körperbeherrschung, die Stunts, der Einfallsreichtum, der Rhythmus und der Schnitt: Das alles ergibt pure Perfektion und Filmkunst auf höchstem Niveau. Drunken Master II löst das Versprechen des Attraktionskinos dutzendfach ein und bietet ein Erlebnis mit Schauwerten, wie man sie nur selten findet.

„Ihr werdet nie erraten, was ich als Nächstes mache, weil ich es selbst nicht weiß!“ Weit mehr noch als im Vorgänger torkelt und taumelt Jackie beim Drunken Boxing herum, biegt und beugt sich scheinbar unkoordiniert, schlägt dann aber dennoch hart und präzise zu und ist all seinen Gegnern überlegen. Es ist eine wahre Freude, ihm zuzusehen. Im spektakulären Finale in einer Fabrik muss sich Wong Fei-hung ordentlich industriellen Alkohol einflößen, um seine härteste Nuss zu knacken. Vier Monate dauerten die Dreharbeiten für diesen grandiosen und legendären Endkampf, zu dem Jackie richtigerweise sagte, dass es jede Sekunde wert war, als er das Endprodukt sah. Der berühmte Filmkritiker Roger Ebert meinte: „It may not be possible to film a better fight scene.“

Aus Sorge darüber, was für Botschaften nach dem ersten Drunken Master beim Publikum ankamen, wollte Jackie im zweiten Teil eine bessere Message verbreiten: Man soll sich nicht betrinken und kämpfen. Deshalb ist seine Figur, als Folge des Konsums von industriellem Alkohol, im Finale blind und geistig behindert geworden. Die sehr kurze, lustig gedachte Szene fand der amerikanische Verleiher Miramax jedoch geschmacklos und schnitt sie aus dem Film heraus. Deshalb war sie bis zum Erscheinen der zweiten US-Blu-ray in den internationalen Fassungen auch nie zu sehen.

Comedy-Szenen hat der Film auch sonst nicht zu wenig. Wong Fei-hungs unkonventionelle Stiefmutter täuscht gar eine Schwangerschaft vor, um ihren erbosten Gatten milde zu stimmen. Die restliche Handlung ist freilich erneut nur ein Gerüst für die diversen Kampfszenen. Das einzige, was an dem Film etwas irritiert, ist die Tatsache, dass Jackies Figur etwa nur halb so alt sein soll wie er. Drunken Master II wurde kurz vor Jackies vierzigstem Geburtstag gedreht. Das für einen Kämpfer fortgeschrittene Alter kennt man ihm bei den Fights zu keiner Sekunde an. Aber es ist etwas befremdlich zu sehen, wie der ältere Wong, gespielt von Ti Lung, seinen in Wahrheit fast 40-jährigen Sohn wie einen Lausejungen maßregelt. Ti Lung, ebenso ein Shaw-Brothers-Veteran, ist nur acht Jahre älter als Jackie. Anita Mui, die wie erwähnt seine Stiefmutter spielte, war sogar neun Jahre jünger als er!

1991 brachte Top-Regisseur Tsui Hark den klassischen Kung-Fu-Film mit Once Upon a Time in China kurzfristig zurück und machte Jet Li, der darin ebenso den chinesischen Volkshelden Wong Fei-hung verkörperte, zu einem Star. Vielleicht zog Jackie deshalb alle Register und wollte die beiden mit seinem Film übertrumpfen. Das TIME-Magazin zählt Drunken Master II zu den 100 besten Filmen aller Zeiten. Wohlgemerkt nicht zu einem der besten Actionfilme oder asiatischen Filme, sondern zu einem der besten Filme überhaupt. Und das ist er auch. Wem Drunken Master II nicht gefällt, bei dem stellt sich ernsthaft die Frage, ob man von einem echten Filmfan sprechen kann. Das British Film Institute (BFI) wählte den Film zu einem der zehn besten Actionfilme aller Zeiten, neben dem Buster-Keaton-Werk The General von 1926 (Keaton war eine Inspiration für Jackie), Shichinin no samurai (Die sieben Samurai), Die Hard, dem John-Woo-Klassiker Hard Boiled und Mad Max: Fury Road.

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