Jackie Chan Mega-Marathon LV

The Myth

Deutscher Titel: Der Mythos
Originaltitel: San wa
Englischer Titel: The Myth
Erstveröffentlichung: 2005
Deutsche Erstveröffentlichung: 2006 (DVD-Video)
Laufzeit: 121 Min.
Empfohlene Heimversion: Man muss annehmen, dass es weltweit keine Blu-ray- oder DVD-Fassung gibt, welche die idiotische Bildverzerrungs-Entscheidung (siehe Text weiter unten) im Nachhinein korrigiert hat. Alle deutschen und sämtliche internationale Fassungen haben dieses verzerrte Originalmaterial. Also kann man auch zu einer der deutschen Fassungen von Splendid greifen.

Mandschu-General Meng Yi (Jackie) eskortiert die koreanische Prinzessin Ok-Soo durch die Einöde. Sie soll die neueste Konkubine seines Kaisers werden, und damit die diplomatische Beziehung zwischen den beiden Reichen stärken. Auf dem Weg werden sie vom Verlobten der Prinzessin und dessen Gefolgsleuten attackiert. Meng Yi, treu ergebener Diener seines Kaisers bis zum Tod, wirft sich in die Schlacht. Der Verlobte will die Prinzessin lieber sterben sehen, als sie dem Kaiser zu überlassen, wohingegen sie gar nicht gerettet werden, sondern endlich an ihrem eigenen Schicksal basteln will.

Leider nur ein Promobild. Der General im Film ist stark verzerrt (siehe weiter unten im Text).

2000 Jahre später, Jetztzeit: Der fähige Archäologe Jack (ebenso Jackie) wird von seinem besten – und weitaus weniger fähigen – Freund William besucht. Der Forscher will endlich berühmt werden und erzählt Jack von der Legende eines 2000 Jahre alten, kleinen Königreichs. Dessen König wurde angeblich nach seinem Tod unsterblich und sein Sarg schwebt noch heute in der Luft herum. William erzählt Jack (eigentlich dem Publikum, weil Jack die Legende in- und auswendig kennt) die Kurzfassung der Legende, worauf dieser den ruhmbegierigen William daran erinnert, dass es sich dabei um einen Mythos handelt. Dennoch lässt er sich von William relativ schnell überreden, an den Ort des ehemaligen Königreichs zu reisen.

Wir dürfen annehmen, dass Jack ein Nachkomme des Generals Meng Yi ist, aber so genau weiß man das nicht. Dafür spricht, dass beide gleich aussehen und Jack immer wieder davon träumt, der General zu sein und die Prinzessin Ok-Soo zu retten. Gerade noch in Hongkong, spazieren Jack und William wenige Minuten später einfach in einen heiligen indischen Tempel hinein, den keine Sau bewacht. Und da ist er schon: Der schwebende Sarg der Legende! War wohl doch kein Mythos. Waren alle Tempelhüter gerade alle auf Mittag? Wie konnte dieses übernatürliche Phänomen 2000 Jahre lang unentdeckt bleiben? Man weiß es nicht. Die Kopftuch-tragenden Tempelhüter kommen jedenfalls dann doch von ihrem Ausflug / der Kantine zurück und eine nette Actionszene entsteht. Jack entdeckt plötzlich ein Bild von Prinzessin Ok-Soo auf der Unterseite des Sargs und erkennt sie wieder. Das ist die Frau, die freitags nie kann! Nein, halt: Das ist die Frau, von der er jede Nacht träumt!

Jack und William fliehen, aber nicht bevor letzterer noch ein wenig von dem magischen Meteoritengestein aus dem Tempelraum stibitzt. Mit Hilfe dessen kann man der Legende nach die Schwerkraft überwinden, und beim Sarg hat’s ja zumindest schon mal funktioniert. Auch im Labor in Hongkong funktioniert es, was einen Geschäftsmann auf den Plan ruft, der die schwarzen Steine für sich haben will. Der Film wechselt oft zwischen den zwei Geschichten hin und her. General Meng Yi hat nur seine Mission vor Augen, während sich die Prinzessin um seine Wunden kümmert und sich schnell in ihren mutigen Retter verliebt.

Auch die arme Prinzessin wurde bildlich entstellt.

Währenddessen möchte Jack wissen, was es mit der 2000 Jahre alten Prinzessin aus seinen Träumen auf sich hat. Um dieses Rätsel zu lösen, muss zuerst die indische Polizei verkloppt werden, die nach der Tempel-Entweihung völlig zu Recht hinter William und Jack her sind. Danach sind die Gegner die Männer des Geschäftsmannes. Zum Glück ist Archäologe Jack viel sportlicher als Indiana Jones und kann obendrein Kung Fu. Ist General Meng Yi bereit alles für seinen Kaiser zu geben oder schlägt er sich auf die Seite der Prinzessin, die keine Konkubine werden möchte?

Klebe-Kampf

The Myth ist eine halb gelungene und halb peinliche Mischung aus Historienschinken und einem Action-Abenteuer mit ordentlichem Fantasy-Einschlag. Auf der positiven Seite sind gute Schwertkämpfe und ein paar Kampfkunsteinlagen zu erwähnen. Die Jetztzeit-Action erinnert an Jackie-Klassiker der 80er und 90er, wenn auch solch eine hohe Performance 2005 für ihn körperlich nicht mehr möglich war. Mit über 50 hatte seinen Zenit längst überschritten. Gleichzeitig konnte er sich noch immer besser bewegen und hatte mehr Skills als 90% der Hollywood-Actionhelden. Die Kostümfilm-Schlachtszenen, die in der Vergangenheit spielen, sind nicht Jedermanns Sache. Bollywood-Schönheit Mallika Sherawat hilft Jack in Indien und gibt dem Film ein wenig mehr Pfeffer.

Mallika Sherawat

Negativ fällt die für einen Jackie-Film ungewöhnlich große Menge an CGI-Shots auf, die irritierend sind. Das Finale ist so herrlich blöd, mit im Wuxia-Stil herumfliegenden Menschen und unsterblichen, 2000 Jahre alten Figuren, dass es schon wieder unterhaltsam ist. Spoiler(?): Ratet mal, ob Jack auf die Prinzessin trifft. Der laute, auf episch gebürstete orchestrale Soundtrack nervt nach einer gewissen Zeit. Auch wenn der Film stellenweise locker und verspielt ist, vor allem in den Indien-Szenen, ist so gut wie keine Comedy vorhanden. The Myth macht auf Ernst und ist um Dramatik bemüht.

Viel verblüffender ist jedoch die Entscheidung, das Bild in den Vergangenheits-Szenen immer wieder zu verzerren. Jedes Mal, wenn Jackie als Mandschu-General auftritt, ist das Bild gestaucht. Dadurch wird sein Gesicht oval und höher. Zunächst dachte ich, dass die Blu-ray einen Mastering-Fehler oder so etwas hat, aber angeblich war das eine bewusste Entscheidung der Filmemacher. Vielleicht, damit der Jackie vor 2000 Jahren nicht 1:1 wie der Jackie von 2005 aussieht. Andere haben gemutmaßt, dass man Jackie damit größer aussehen lassen wollte. Seine 172 cm waren wohl ein bisschen zu klein für einen mächtigen Mandschu-General. Für die zweite These spricht auch, dass man fast nur Nahaufnahmen und kaum Ganzkörperaufnahmen von General Jackie gemacht hat. Wie auch immer: Ich bin der Meinung, dass es für einen Filmemacher, der mehr als nur einen Funken Respekt vor seiner Arbeit und für sein Publikum hat, ein unwürdiges Vorgehen ist, das Bild dermaßen zu entstellen, noch dazu bei einem größer angelegten (Mainstream-)Film.

Eierkopf-General Jackie

Mit wenigen Drehbuch-Änderungen und ohne dem ganzen History-Channel-Gedöns hätte The Myth auch eine – schwache, aber dennoch passable – Fortsetzung der Armour of God-Reihe sein können. Aber statt dem profitorientierten Grabräuber „Asian Hawk“ spielt Jackie diesmal einen viel ehrenwerteren Archäologen, der Grabräuber verabscheut und Kulturschätze retten will. The Myth ist eine mittelprächtige Kuriosität dieses Marathons. Ein Jackie-Film aus der „zweiten Reihe“, den man sich trotz des Eierkopf-Generals dennoch zumindest ein Mal ansehen kann, und sei es nur für die tolle Actionszene in Indien, in der Jackie in einer Fabrik kämpft, die Klebemittel herstellt.

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