Jackie Chan Mega-Marathon LVIII

The Forbidden Kingdom

Deutscher Titel: Forbidden Kingdom
Originaltitel: The Forbidden Kingdom
Erstveröffentlichung: 2008
Deutsche Erstveröffentlichung: 2009
Laufzeit: 104 Min.
Empfohlene Heimversion: Die deutschen Scheiben sind von Koch Media und somit auch vollkommen in Ordnung.

Der junge Jason lebt in Boston und ist ein Superfan von Kampfkunst-Filmen. Er besucht oft das Pfandleihhaus des sehr alten Hop (Jackie mit Make-up) in Chinatown und kauft ihm DVD-Raubkopien alter Kung-Fu-Klassiker ab. Eines Tages kreuzen sich die Wege von Jason und einer stereotypen kleinkriminellen Jugendbande, die Hop ausrauben und ihm im Zuge dessen eine Pistolenkugel verpassen.

Mit seinen scheinbar letzten Worten sagt Hop Jason, wie wichtig es ist, dass der goldene Stab, der sich seit einer Ewigkeit in seinem Laden befindet, zu seinem rechtmäßigen Besitzer zurückfindet. Jason schnappt sich das Ding und kurz bevor der Anführer der Bande ihn als einzigen Zeugen mit seiner Pistole beseitigen kann, transportiert der magische Kampfstecken den jungen Filmfreund ins alte China.

Dort trifft er auf den wohlgelaunten, ständig angeheiterten Lu Yan (Jackie mit Dreadlocks), der Leuten als „reisenden Lehrer“ Drunken Boxing beibringen kann. Von ihm erfährt Jason von der 500 Jahre alten Legende des Affenkönigs (Jet Li), der sich dem bösen Kriegsherren widersetzte, unsterblich ist und das Land seit dem Verschwinden des himmlischen Jade-Kaisers beherrscht. Es wurde vorhergesagt, dass ein Reisender kommen wird, der dem zu Stein verwandelten Affenkönig seinen magischen Stab zurückbringen und so die Herrschaft des Kriegsherren beenden wird.

Jason überredet den sorglosen, frechen Lu Yan, ihn bei dieser monumentalen Aufgabe zu begleiten und ihn zu trainieren. Denn der junge Bostoner hat zwar eine Tonne alter Kung-Fu-Streifen gesehen, aber keine Sekunde seines Lebens Kampfkunst trainiert. Ein schweigsamer Mönch (wieder Jet Li) schließt sich den beiden ebenso an wie ein Mädchen, das auf Rache sinnt und den Kriegsherren eigenhändig töten will.

Die Handlung basiert sehr vage auf dem über 400 Jahre alten chinesischen Roman Die Reise nach Westen, der etliche asiatische Filme inspirierte. Der Affenkönig (Sun Wukong) ist eine Figur der chinesischen Mythologie. Gefühlt jedes Jahr erscheint in China ein Film mit dem Monkey King. Wie ich soeben sehe, ist auch 2022 keine Ausnahme. Noch dieses Jahr soll The Monkey King: The Legend Begins erscheinen. Donnie Yen wird die Titelrolle übernehmen und Chow-Yun-Fat den Jade-Kaiser spielen, also zumindest der Cast ist schon mal sehr in Ordnung.

The Forbidden Kingdom bietet das bis dato einzige Aufeinandertreffen der zwei asiatischen Megastars Jackie Chan und dem neun Jahre jüngeren Jet Li. Li erlebte seinen Hollywood-Durchbruch 1998, zwei Jahre nach Jackie und zehn Jahre vor The Forbidden Kingdom, als er als Bösewicht in Lethal Weapon 4 dem westlichen Kinopublikum vorgestellt wurde. Rob Minkoff, Regisseur von The Lion King und Stuart Little, lieferte auch hier einen passablen Kinderfilm ab, denn recht viel mehr ist es nicht. An The Forbidden Kingdom ist nichts schlecht, jedoch alles generisch: Sowohl Handlung, Dramaturgie als auch die Musik sind äußerst konventionell. Ein kompetenter Film, aber „Malen nach Zahlen“.

Man kann ihm zugutehalten, dass die Kämpfe, nicht wie so oft bei Hollywood-Produktionen, schon nach einer Minute wieder vorbei sind. Immerhin hat man sich Großmeister Yuen Woo-ping (Matrix-Trilogie; Crouching Tiger, Hidden Dragon; Hero) für die Kampfchoreographie geholt, der 30 Jahre zuvor als Regisseur Jackie mit Snake in the Eeagle’s Shadow und Drunken Master zum Durchbruch verhalf. Wie gerne wäre ich mit Jackie und Woo-ping am Set gewesen. Wie gerne hätte ich den zwei Männern zugehört, die bei der Genesis einer der größten und bemerkenswertesten Karrieren des Filmbusiness dabei waren. Ob die zwei Freunde alte Geschichten aus ihrer Karriere ausgetauscht haben? Ich kann mir gut vorstellen, dass die beiden Filmveteranen zumindest etwas belustigt darüber waren, dass sie mehrere Millionen Dollar für ihre Arbeit an einem Fantasyfilm für amerikanische Kinder bekommen.

Ich hatte mich schon gefreut, als ich Jackie mit der Weinflasche gesehen habe. Der betrunkene Meister ist immerhin ein Archetyp der alten Kung-Fu-Filme. Es wäre schön gewesen, Jackie nach seinen zwei Drunken Master-Filmen wieder beim Drunken Boxing zusehen zu dürfen. Aber Yuen Woo-ping (oder der Regisseur) entschied sich für einen sehr klassichen, traditionellen Kampfstil. Erneut bedient Woo-ping die Wuxia-Tradition: Kämpfer können sich der Schwerkraft widersetzten und ein paar magische Fähigkeiten kommen auch dazu.

Ganz in der Luke-Skywalker-Tradition wird der großäugige, naive Junge in nur wenigen Tagen zum Supermacker trainiert, der sich auch gegen übermächtige Gegner behaupten kann, die ihr Leben lang trainiert haben. Wenn Jason sich mit bloßen Händen gegen die Elite-Speerkrieger des Kriegsherrn zur Wehr setzt, ist das lächerlich, aber einem Kinderfilm wohl verzeihbar. Wer leicht verdauliche, Disney-fizierte asiatische Mythologie in einem großen Fantasyfilm haben will und auf den Kampf zwischen Jackie Chan und Jet Li verzichten kann, der könnte sich auch den etwas besseren MARVEL-Film Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings ansehen.

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