Jackie Chan Mega-Marathon LXXI

Bleeding Steel

Deutscher Titel: Bleeding Steel
Originaltitel: Ji qi zhi xue
Englischer Titel: Bleeding Steel
Erstveröffentlichung: 2017
Deutsche Erstveröffentlichung: 2018 (Blu-ray)
Laufzeit: 109 Min.
Empfohlene Heimversion: Die deutsche Blu-ray von Splendid ist in Ordnung.

In der nahen Zukunft, genauer gesagt im Jahr 2020, ist Lin Dong (Jackie) Anführer einer UN-Spezialeinheit, die technisch überlegene Superkriminelle jagt. Seine Tochter Xixi liegt mit Leukämie im Krankenhaus, als er zu einem Einsatz gerufen wird. Lin muss gegen eine Gruppe von sinistren Figuren mit Hightech-Waffen antreten, die von dem Cyborg Andre angeführt werden und den Wissenschaftler Dr. James entführen wollen. Nach einem Gefecht mit mehreren Explosionen ist Lin bewusstlos, Andre kann fliehen und Xixi stirbt währenddessen scheinbar im Krankenhaus.

Dreizehn Jahre später ist ein junger Mann namens Leeson auf der Jagd nach dem Autor des Romans „Bleeding Steel“, in dem es um einen Supersoldaten mit einem mechanischen Herzen geht. Der Autor soll für seinen Roman geheime Dokumente als Inspiration verwendet haben. Cyborg-Bösewicht Andre und seine Bioroboter (!) sind ebenso hinter diesen Dokumenten her. Aus Andre hätte ein Super-Biokrieger werden sollen, aber das Experiment schlug fehl. Jetzt gleicht er einem Borg aus Star Trek und fliegt in einem Luftschiff umher, das aussieht wie ein Star Destroyer des Imperiums aus Star Wars.

Xixi hat überlebt und heißt jetzt Nancy. Sie lebt in Sydney und wird von Albträumen geplagt, in denen in einem Labor Experimente an ihr durchgeführt werden. Dr. James konnte vor dreizehn Jahren mit einer experimentellen Prozedur ihr Leben retten, doch ihr temporärer Todeszustand hat eine Amnesie bei ihr ausgelöst. Sie weiß nichts davon, dass ihr Vater sie zu ihrem Schutze in ein Waisenhaus gegeben hat und sie ihr ganzes Leben lang beobachtet und beschützt hat. Lin und Neeson tun sich gegen Andre zusammen, der Nancys Blut braucht, um überleben zu können.

Die meisten Leute, egal ob Jackie-Fans oder nicht, mögen Bleeding Steel nicht, oder hassen ihn sogar. Ich dagegen finde den eigentümlichen Sci-Fi-Film herrlich irre. Sowohl was die Handlung betrifft (Nancys Therapie-„Hexe“, die dem Buchautor die Vorlage lieferte, habe ich gar nicht erwähnt), als auch die stilistischen Entscheidungen. Gebt mir Cyborgs, Laserwaffen, Explosionen und Kung-Fu, und ich bin glücklich und zufrieden. Stellenweise musste ich gar laut lachen. Etwa, als uns Oberbösling Andre erzählt, dass er im Geheimlabor seines Raumschiffs einen Separator hat, mit dem der Erinnerungen aus dem Blut eines Menschen herausfiltern kann.

Aber freilich ist nicht alles eitel Wonne. Der Film ist unnötig verworren und der Zuschauer wird für eine ganze Stunde darüber im Dunklen gelassen, warum das alles passiert. Selbst danach sind nicht alle Fragen geklärt. Die Slapstick-Comedy ist typisch für einen chinesischen Mainstreamfilm, wirkt aber in unseren Breitengraden eher befremdlich. Die eröffnende Actionszene ist großartig und auch später gibt es ein paar gut choreografierte und inszenierte Kampfszenen.

Früher brauchte Jackie keine Spezialeffekte, um seine Filme außergewöhnlich und beeindruckend zu machen. Seine Fähigkeiten und die seines Stuntteams reichten aus. Mit zunehmendem Alter schwanden klarerweise seine körperlichen Fähigkeiten und seine Risikobereitschaft. Als Ersatz wurden Casts und Budgets größer und die Spezialeffekte wurden mehr. Wie auch in Railroad Tigers und Kung Fu Yoga umgibt sich Jackie mit deutlich jüngeren, attraktiven Co-Stars, überlässt ihnen etliche Szenen und rückt selbst ein wenig in den Hintergrund.

Bleeding Steel ist ein kleines Spektakel, eine Achterbahnfahrt. Im Jackie-Œuvre ist er ungefähr das, was Die Another Day für die James-Bond-Reihe war: Übertrieben, absurd, extravagant, käsig und sehr unterhaltsam. Die einen jubeln in der Achterbahn, den anderen wird speiübel. Ich möchte wetten, dass das bunte, übersättigte Bild nicht nur bei der deutschen Blu-ray vorhanden ist, sondern vom Original stammt und von den Filmemachern so intendiert war. Es fügt sich jedenfalls perfekt ins Gesamtpaket ein. Am Anfang seiner Karriere machte Jackie käsige, billige Kung-Fu-Streifen. Dann wurde er der neue Buster Keaton und ein legendärer Action-Auteur. 2017 schlägt er sich schließlich mit Cyborgs in einem Raumschiff herum. You’ve come a long way, Jackie.

Bewertung:

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