Justice League 2017 vs. Snyder Cut 2021: Späte Gerechtigkeit für die Gerechtigkeitsliga

Nun ist er also endlich da. Drei Jahre lang forderten Fans die Veröffentlichung eines „Snyder-Cut“, einer neuen Version des 2017 erschienenen Justice League. Zunächst hieß es, es würde kein Director’s Cut von Zack Snyder existieren. Dann wurde die Umsetzbarkeit eines solchen angezweifelt, schließlich wurde er überraschend tatsächlich angekündigt und am 18. März ist er erschienen. Pralle vier Stunden dauert dieser neue Superheldenfilm!

Aber fangen wir bei der Kinoversion von 2017 an: Die negativen Reaktionen auf diese kann ich nicht ganz nachvollziehen. Im Vergleich zum schwachen, verwirrenden und mit Problemen überhäuften Vorgänger Batman v. Superman: Dawn of Justice, von dem es übrigens auch eine 30 Minuten längere Version gibt, ist Justice League geradezu stimmig. Ist er zerstückelt, hat er einen lahmen Bösewicht, und eine Handlung die banal und cheesy ist? Ja. Der Film ist Fast Food. Aber er ist auch ein richtiges Spektakel, das man offenbar auf ein verwöhntes und übersättigtes Publikum losgelassen hat. Jahrzehntelang haben sich Comicfans solche Filme gewünscht, heute sind sie Realität. Früher haben zu kleine Budgets, technische Limitationen und Hollywoods generelle Skepsis gegenüber auf Comics basierenden Stoffen solche Blockbuster gar nicht zugelassen. Heute hingegen können wir uns an etlichen zum Leben erwachten Comicbüchern ergötzen.

© WarnerMedia

Im März 2017 erlebte Regisseur Snyder eine schwere private Tragödie, als seine 20-jährige Tochter Selbstmord beging. Er verließ daraufhin die für einen Blockbuster dieser Art enorm wichtige Phase der Postproduktion und hinterließ einen 3,5-stündigen Director’s Cut. Joss Whedon, der mit der MARVEL-Verfilmung The Avengers von 2012 enorm erfolgreich war, wurde an Bord geholt. Unter Whedons Leitung erfolgten etliche Nachdrehs und als Justice League im November veröffentlicht wurde, waren vielleicht noch 30 oder 40 Minuten von Snyders Material darin enthalten. Nach dem Debakel 2016 mit Batman v Superman hatte Warner Brothers der Produktion von Justice League zudem ein Mandat auferlegt: Das Endprodukt durfte nicht länger als zwei Stunden dauern, und genau so lang war die Kinoversion dann auch. Justice League enttäuschte, spielte bei weitem nicht die Summen ein, die das Studio sich erhoffte, und auch bei den meisten Kritikern fiel der Film durch. Sofort begannen Fans von DC und Snyder mit dem Hashtag #ReleaseTheSnyderCut Druck zu machen und eben das von Warner Brothers zu verlangen: Die Veröffentlichung von Snyders ursprünglicher Vision.

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Ein solches Unterfangen ist extrem ungewöhnlich und unwahrscheinlich, aber keineswegs zum ersten Mal passiert: Warner machte 2006 die Veröffentlichung eines Richard Donner Cut des 1980 erschienenen Superman II möglich und lies Ridley Scott mehrere Schnittfassungen von Blade Runner anfertigen. Nach ewiger Gerüchteküche und vielen Aussagen von „Experten“, wonach der Snyder-Cut nie erscheinen würde, wurde es im Mai 2020 dann offiziell: Und er kommt doch! 70 Millionen USD wurden aufgewendet, um Spezialeffekte und die Postproduktion von Snyders Version zu finalisieren. In den USA erschien der Film dann am 18. März bei Warners neuem Streamingdienst HBO Max und im deutschsprachigen Raum gingen die Rechte an den Anbieter Sky. Unglaublich, aber wahr: Fast dreieinhalb Jahre später kommen wir nun endlich in den Genuss von Zack Snyder’s Justice League. Ich war von Beginn an ein riesiger Fan von Zack Snyder, bis er mich mit Man of Steel (2013) und Batman v Superman: Dawn of Justice (2016) doppelt enttäuschte. Somit stand ich diesem neuen Cut skeptisch gegenüber. Laut Snyder ist diese vierstündige Schnittfassung jene, die er damals auch gemacht hätte, wen man ihm komplett freie Hand gelassen hätte.

Am Set Mit Regisseur Zack Snyder
© WarnerMedia

Bevor ich in dieses vierstündige Opus eingetaucht bin, habe ich mir den Kinofilm von 2017 noch einmal zu Gemüte geführt, um besser zwischen den beiden Versionen vergleichen zu können. Wobei es fast unangemessen ist, hier von „Versionen“ zu sprechen: Snyders Werk ist kein oberflächlicher Popcorn-Film mehr, sondern eine ganz neue, epische Erfahrung. Es ist nicht nur weitaus reichhaltiger, runder und befriedigender, sondern auch um einiges erhabener. Alle typischen Snyder-Merkmale sind vorhanden: Der Film ist visuell äußerst ergötzlich, hammermäßig inszeniert und hat schöne Slow Motion-Szenen. Ist er immer noch cheesy? Hell yeah! Mit dem Unterschied, dass Snyder überstilisiert, den Käse ernst nimmt und ihn zur Kunst erhebt. Wenn Zack Snyder in Topform ist, dann kommt Pop Art vom Feinsten dabei heraus.

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Wenig überraschend ist hier alles ausgedehnt, das heißt sowohl die Actionszenen sind länger, als auch die Handlung und Charakterszenen. Die Figuren bekommen mehr Backstory und funktionieren allesamt besser. Steppenwolf schaut nicht nur optisch besser aus, er hat auch eine richtige Motivation bekommen und arbeitet nun für den DC-Oberbösewicht Darkseid. Supermans Bedeutung für die Welt und die Rettung derer wird stärker betont, und mehrere Figuren vermissen ihn. Dadurch wird es um so schöner, wenn er wieder zurückkehrt. Alles läuft etwas langsamer ab, was den Film stimmungsvoller und nicht so abgehackt macht. Von der Kinofassung sind vielleicht noch etwa 40 Minuten übrig, ansonsten sehen wir komplett neues Material. Nur vier Minuten davon wurden neu gedreht. Wenn man sich die vielen, vielen neuen Szenen im Snyder-Cut ansieht, möchte man sich gar nicht ausdenken, wie viel Material von Studios über die Jahre rausgeschnitten wurde, das – abgesehen von „Deleted Scenes“ auf Blu-Rays – nie das Licht des Tages erblicken wird.

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Bei Whedons Film machte sich der MARVEL-Einfluss bemerkbar, was von Warner auch so gewollt war. Das Bild wurde aufgehellt und der ganze Film spaßiger angelegt. Viele semi-lustige Sprüche und Szenen wurden hinzugefügt, wie z.B. jene, in der Flash auf Wonder Woman landet und danach peinlich berührt ist. Das alles ist hier zum Glück wieder verschwunden und Zack Snyder’s Justice League hat eine eigene Persönlichkeit. Aber nicht nur das Bild, auch der Ton des Films ist gewohnt düsterer. Snyders Cut ist auch brutaler, es gibt mehr Blut, und es wird sogar jemand enthauptet. Statt Breitbild kommt der Film nun in einem untypischen 4:3-Bildformat daher, was aber sehr gut funktioniert. Außerdem hört man hier den Score von Junkie XL, der zuvor für 300: Rise of an Empire und Mad Max: Fury Road Musik gemacht hatte, und für den Kino-Cut von Justice League von Whedon zuvor durch Danny Elfman ersetzt wurde.

Bilder sagen ja bekanntlich mehr als tausend Worte, also hier bitte.

Als Fan von Superheldenfilmen bin ich überglücklich über den Snyder-Cut, den der Regisseur übrigens seiner toten Tochter gewidmet hat und der in wenigen Monaten auch auf UHD-Blu-ray erscheinen wird. Und nach vielen Jahren bin ich nun auch wieder ein Fan von Zack Snyder. Justice League ist gutes Popcorn-Kino, Zack Snyder’s Justice League ist ein Meisterwerk. Willkommen zurück, Zack, du wunderbarer Pop-Auteur! Ich freue mich auf deine Army of the Dead.

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