Jackie Chan Mega-Marathon LXXIII

The Iron Mask

Deutscher Titel: Iron Mask
Originaltitel: Tayna pechati drakona
Englischer Titel: The Iron Mask
Alternativtitel: Viy 2: Journey to China / The Mystery of the Dragon Seal
Erstveröffentlichung: 2019
Deutsche Erstveröffentlichung: 2021 (DVD und Blu-ray)
Laufzeit: 120 Min.
Empfohlene Heimversion: Alle deutschen Scheiben sind (Stand: Juni 2022) von Koch und somit bestimmt in Ordnung. Man kann den Film sogar in 4K bestaunen, wenn man möchte.

The Iron Mask ist jener Film, der etliche Leute auf allen Social-Media-Kanälen sagen hat lassen „WTF?! Arnie und Jackie haben einen Film zusammen gemacht?“ Ja und nein. Chan und Schwarzenegger haben in dieser russisch-chinesischen Koproduktion einen längeren Gastauftritt und kämpfen sogar in einer Szene miteinander. Dass auf Postern und Covern der Eindruck erweckt wird, die beiden wären Hauptdarsteller, ist eine dreiste Marketing-Lüge. Wenn dieser Film nicht so vermarktet werden würde, hätte ich ihn nicht in meinen Marathon aufgenommen. So kann ich euch wenigstens warnen. Aber wie steht es um den Film hinter dieser Lüge und taugen die eigentlichen Hauptdarsteller etwas?

Nein, tun sie nicht.

Der britische Kartograf Jonathan Green hat für den russischen Zaren Peter den Großen eine Landkarte der Ostreiche Russlands angefertigt. Als er diese am Hof abliefert, muss er feststellen, dass der Zar vom Thron geputscht wurde. Peter der Große trägt mittlerweile eine Eisenmaske und verweilt im Tower of London. Dort lernt er Kung Fu von einem alten Meister (Jackie), an den er mit einer dicken Eisenkette angebunden ist. Captain Hook (Schwarzenegger) ist Leiter des Gefängnisses und prügelt sich gerne mit seinen Häftlingen. Wer gegen ihn gewinnt, gewinnt auch seine Freiheit zurück. So viel gleich vorweg: Fast nichts davon hat für den Rest der Handlung Relevanz, denn hauptsächlich geht es um etwas Anderes. And now for something completely different, wie es bei Monthy Python so schön heißt.

Dieser Film ist mit der „special participation“ des ehrwürdigen Jackie Chan gesegnet.

Prinzessin Cheng Lan macht einen auf Mulan und gibt sich als junger Mann aus. So kann sie mit Green in ihre Stadt zurückreisen, wo eine böse Hexe ihren Platz eingenommen hat und sich an ihrer Stelle als die Hüterin des örtlichen Drachen ausgibt. Die langen Augenwimpern des guten Drachen dienten dem Volk einst als Quelle für heilenden Tee. Der Drache (und seine tollen Wimpern) wurden von den weißen Zauberern beschützt und alle lebten in Frieden und Reichtum. Dann kamen die schwarzen Zauberer und eine Hexe, rissen die Macht an sich, ketteten den Drachen im Keller des Schlosses und ließen seine Wimpern ins Unermessliche wachsen. Sie unterjochten das Volk und pressten den letzten Goldtaler aus ihnen heraus. Nicht Jackie und Arnie tun sich gegen die Übeltäter zusammen, sondern ein Haufen kosakische Piraten und chinesische Rebellen. Irgendwo mittendrin laufen noch der Kartograf Green und seine Angetraute herum, die auf der Suche nach ihm ist.

The Iron Mask ist ein unbeholfener B-Film mit großem Budget. Die Produktion hat Überlänge und ist großer Käse, Kostümschinkenkäse um genau zu sein. Käsige Filme sind so doof, dass sie unterhaltsam sein können. Damit hebt sich The Iron Mask vom vorigen Marathonfilm The Knight of Shadows schon mal positiv ab. Das Tempo ist ganz gut und dennoch setzt Ermüdung ein, weil der Handlungsaufbau überhaupt nicht funktioniert. Die Filmemacher waren offenbar ungeschickte Geschichtenerzähler, dafür konnten sie optisch mehr anbieten. Das Möchtegern-Spektakel wurde offensichtlich für 3D-Kino gemacht, funktioniert aber auch im Flat-Modus gut. Wenigstens ist dieser Film visuell sehr erträglich, denn fast alles andere ist unerträglich: Charisma-befreite Darsteller, banale und hölzerne Dialoge, platte Witzchen, schlechte englische Synchro (die deutsche kenne ich nicht), usw.

Ja, Arnie (und Arnies Stuntman) und Jackie kämpfen gegeneinander. Vor 20 Jahren hätte das die Herzen von Actionfans noch höher schlagen lassen. Heute ist das too little, too late. Immerhin ein Alleinstellungsmerkmal dieser eigentümlichen Produktion. Die alte steirische Eiche wurde, nicht zu Unrecht, für die Goldene Himbeere für den schlechtesten Nebendarsteller nominiert. Viel spannender sind die vier übernatürlich erscheinenden Krieger, die von der Hexe ausgesandt werden. Einer ist ein mächtiges Steinmonster, der andere nutzt Magnetismus und wirft mit elektrischen Blitzen um sich, der Dritte zwingt seine Gegner mit ohrenbetäubenden Schallwellen in die Knie, und der vierte Krieger fliegt im selbst produzierten Nebel herum und deckt beim Geldeintreiben für seine Hexenherrin das arme Volk damit ein.

Rutger Hauer tritt in einem Mini-Gastauftritt mit zeitgemäßer Perücke auf und verstarb kurz bevor der Film veröffentlicht wurde. Ach ja, es gibt auch ein kleines, magisches Wesen, das Kho Tchai heißt und außer Herumfliegen nix macht. Es stammt eventuell aus dem in Russland sehr erfolgreichen Vorgänger Viy (Fürst der Dämonen), den ich nicht gesehen habe. Darin soll der Langweiler Jonathan Green Osteuropa erkunden und auf Monster stoßen. Die Handlung ist wohl irrelevant für seine Chinareise in Teil 2. Ein dritter Teil soll bald folgen, ebenso in 3D und wird „The Journey to India“ oder „Viy 3: Travel to India“ heißen. The Iron Mask ist peinlicher Quatsch, aber es wurde viel Aufwand betrieben und er ist, wie gesagt, nett anzusehen. Wenn man sich auf einen übermäßig bunten, kitschigen Kostümstreifen mit wenigen aufregenden Szenen einstellt, dann könnte man vielleicht Spaß haben. Wer es peinlich findet, dass Jackie und Arnie für so etwas ihren Namen hergeben und glauben, dass die beiden nie in einer mieseren Produktion dabei waren, der hat noch nie die beiden Erstlingswerke unserer Helden gesehen, die da heißen Hercules in New York und Master with Cracked Fingers.

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