Jackie Chan Mega-Marathon LXXIV

Vanguard

Deutscher Titel: Vanguard – Elite Special Force
Originaltitel: Ji xian feng
Englischer Titel: Vanguard
Erstveröffentlichung: 2020
Deutsche Erstveröffentlichung: 2021 (Internet)
Laufzeit: 107 Min.
Empfohlene Heimversion: Ich gehe davon aus, dass die deutsche Blu-ray von Splendid in Ordnung ist.

Während ich diese Zeilen schreibe, ist es genau ein Jahr her, dass ich mit meinem Jackie-Mega-Marathon begonnen habe. Es ist in dieser Zeit auch kein neuer Film mit ihm in einer größeren Rolle erschienen. Über Vanguard hatte ich nichts Gutes gehört und sehr wenig Hoffnung darauf, dass dieser Marathon auf einer guten Note endet.

Tang (Jackie) ist der Leiter von Vanguard, einer von London aus international agierenden privaten Securityfirma, die auf VIPs spezialisiert ist. Der hyperkompetente und technisch top ausgerüstete Mitarbeiterbestand besteht vor allem aus Ex-Militär-Personal. Geschäftsmann Qin Guoli ist ein chinesischer VIP, der sich die Dienste des hoch angesehenen Unternehmens leisten kann. Maasym, der Anführer einer Terrororganisation, wurde von Guoli an die Behörden verpfiffen und starb kurz danach bei einem US-Militäreinsatz. Sein Sohn Omar hat daraufhin die kriminelle Söldnertruppe Arctic Wolves, die „alles für Geld macht“, angeheuert und auf Guoli angesetzt.

Nun sucht Guoli bei Vanguard Schutz für sich und seine Tochter Fareeda, die irgendwo in Afrika Wilderer filmt und deren illegale Handlungen auf Social-Media-Kanälen postet. Guoli ist überzeugt, dass sich Omar als erstes Fareeda schnappen wird und ihn schließlich umbringen will. Also machen sich Jackie und seine Leute auf die Reise. Sehr viel mehr ist zur Handlung nicht zu sagen, denn ab dem Zeitpunkt ist Vanguard eine Aneinanderreihung von Geballere, Stunts und Explosionen. Juhu! Wie in alten Zeiten ist der hauchdünne Plot nur da, um möglichst viele verschiedene Action-set pieces zu ermöglichen.

Omars arktische Wölfe tun sich in Afrika schnell mit den bösen Wilderern zusammen, damit das Vanguard-Team noch mehr Leute zum wegballern hat. Danach wird der Nahe Osten besucht, wo unsere Helden eine Stadt in ein Kriegsgebiet verwandeln und deutlich machen, dass die Sicherheitsfirma besser ist als jede Anti-Terror-Einheit. Im letzten Akt geht es dann nach Dubai. Vanguard ist, in fünf Worten zusammengefasst, ein over the top Action-Reiseblog. Grundvoraussetzung für eine Anstellung bei der Sicherheitsfirma scheint zu sein, das man alle Michael-Bay-Filme gesehen hat und adäquat nachahmen kann. Hier gehen mehr Leute hops als in allen anderen Filmen mit Jackie zusammen, obwohl dieser nie ein Fan von Schießereien war. Dennoch bleibt das ganze fast komplett blutfrei. Der Star des Films ist zwar stets vor Ort, übernimmt aber nur einen kleinen Teil der Actioneinlagen und lässt seine deutlich jüngeren, körperlich fähigeren Kollegen den Großteil erledigen.

Sehr schade ist, wie oft und wie offensichtlich der Computer zum Einsatz kam. Auch bei Szenen, bei denen es nicht nötig gewesen wäre, wie etwa bei vielen Autostunts. Selbst wenn ein Wagen nur schnell um die Kurve fährt, wurde das mit schwachem CGI realisiert. Das drückt den kurzweiligen Film ordentlich nach unten. Was bleibt, ist ein Angriff auf die Sinne. Ich persönlich mag das und sehe mir in der richtigen Stimmung auch die Michael-Bay-Schlachtfeste gerne an. Während aber dieser die Kamera nicht still halten will und sein Editor die abgesehen davon tollen Actionaufnahmen ständig in ein übles Schnitt-Staccato verwandelt, ist Vanguard visuell weniger konfus. Nach Police Story III – Super Cop, Rumble in the Bronx, First Strike, The Myth und Kung Fu Yoga ist Vanguard die sechste Zusammenarbeit zwischen Regisseur Stanley Tong und Jackie. Es ist schön zu sehen, dass Tong jung geblieben ist und sich immer noch an wilden Materialschlachten ergötzt.

Von den negativen Kritiken war ich doch überrascht. Was haben sich die Leute erwartet? Dass Jackie mit 65 noch wie ein junger Wilder kämpft? Dass es einen interessanten Twist gibt und sich Guoli als Bösewicht entpuppt? Oder gar Nuancen? Wer braucht das schon, wenn wir stattdessen ein Team aus Waffen- und Kampfkunstexperten haben, das ordentlich aufräumt und besser ausgerüstet ist als James Bond, inklusive Gatling-Geschütz und Amphibienfahrzeugen. Ein Vanguardian (ja, so werden sie ab und zu genannt) fliegt sogar mit einem Maschinengewehr auf einer Art Hoverboard ballernd durch die Luft herum. Wer jetzt noch nicht überzeugt ist, den kann ich auch nicht mehr überzeugen.

Bewertung:

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